Mission Moschus

Norwegisches Fjell
Im Fjell mit Steinen jonglieren

Auftraggeber: Bergans AdventurEco. Aufgabe: Im norwegischen Dovrefjell Europas letzte Moschusochsen aufzuspüren und zu fotografieren. Mit der gesponsorten Fujifilm X-T10 mit dabei: Günter Valda als NORR-Reisefotograf.

Geister im Dovrefjell

Dick eingepackt in wetterfester Kleidung sitzen wir im Windschatten einer verfallenen Hütte. Die mitgebrachten Frühstücksbrote wollen nicht so recht schmecken, umso mehr der heiße Kaffee aus der Thermoskanne – wenn man denn eine hätte. Ich wollte Gewicht sparen und habe nur kaltes Wasser mitgenommen. Lightweight sagt man im Fachjargon auch dazu. Mich wundert, dass das Wasser bei den winterlichen Temperaturen überhaupt noch flüssig ist. Meine Kehle verkrampft sich beim Trinken – es ist, als würde man versuchen Eiswürfeln zu schlucken. Das Gurken-Sardellen-Brötchen ließe sich auch lutschen. Gurken-Eis. Ich frage mich im Stillen, ob damit ein Geschäft zu machen wäre.

Gestern war ich noch bei 30 Grad Celsius schwimmen, heute sitze ich bei drei Grad plus im norwegischen Fjell. Der Regen, der auf meine Kapuze trommelt wird allmählich zu Schnee. Mit einer kleinen Gruppe bin ich auf der Suche nach den letzten Moschus in Europa. Einige wenige soll es hier im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark in Norwegen noch geben, ungefähr 250-300 Tiere sollen es schätzungsweise sein. Seit Stunden kämpfen wir uns schon durch Nebelschwaden, die wie Geister an uns vorbei ziehen, die Flanke des Snøhetta hinauf.

Schnee im Fjell
Arne

Null Sicht auf dem Snøhetta

"Entweder rennt man bei so einem Wetter direkt in einen Moschusochsen hinein, oder man findet ihn nie", merkt unser Guide Arne trocken an. Er ist an die sechzig, doch seine Augen wirken jung und neugierig. Oft bleibt er kurz stehen, fährt sich geistesabwesend mit der Hand übers Stoppelkinn und betrachtet den Himmel – so als könnte er dort erfahren, wo sich die Tiere gerade herum treiben. Kurzerhand beschließt er die Suche auf morgen zu verschieben und auf dem Heimweg noch einen Gipfel mitzunehmen.

Irgendwann stehen wir dann auf dem Snøhetta, 2286 Meter über dem Meer. Die Sicht ist gleich null. Offensichtlich will die Natur heute ihre Ruhe haben. Meine müden, wackeligen Beine versuchen beim Abstieg über das Geröll zu balancieren. Langsam erreichen wir die Schneegrenze. Im Gänsemarsch trotten wir in Schlangenlinien weiter bergab. Vor uns öffnet sich ein weites Tal, durch das ein Gebirgsfluss rauscht.

Fluss im Fjell
Blick in das Tal

Die mit Flechten überwucherten Steinfelder weichen dichtem Moos, das unsere schweren Schritte vollständig verschluckt. Arne bleibt immer wieder stehen und befragt sein Stoppelkinn, betrachtet den Himmel und die Bergrücken. Auf einmal wird er ganz ruhig. Schwarze Silhouetten zeichnen sich in der Ferne an ein einem Bergrücken ab: Eine Herde Moschusochsen!

Begegnung mit der Herde

Arne, der im normalen Leben Lehrer ist, instruiert uns, hinter ihm zu bleiben. Wir pirschen uns gegen den Wind an die Herde heran. Keiner spricht, das Herz schlägt uns bis zum Hals. Wir sind atemlos, schleichen geduckt vorwärts und benehmen uns wie aufgeregte kleine Kinder. Arne flüstert. Weniger als 50 Meter Distanz wäre nicht ratsam. Auf die Frage was passieren würde, meint er trocken: “What happen if the moon will fall down?“ 

Moschus Ochsen im Fjell

Nachdem wir den besonderen Moschus-Moment mit der Kamera festgehalten haben, spült uns ein Regenschauer wie bunte Kiesel von der Oberfläche in unser Basecamp mit dem treffenden Namen »Schneeheim« zurück. Wohlig warm empfängt uns die Hütte. Es duftet nach Kaffee und Zimt.

Die Dusche nach dem nasskalten Abenteuer

Ein Häuflein nasser Wäsche liegt vor mir als wäre jemand implodiert. Die letzten Überbleibsel des Abenteuers. Der heiße Regen aus dem Duschkopf bringt meine Muskeln wieder in die richtige Position und Spannung, als würde er meinen Bauplan kennen. Nur der Wasserdampf erinnert mich noch an die feuchten Nebelschwaden vor der Tür.

Bach im Fjell

Die   Bergans Expedition "AdventurEco" stand im Zeichen der Natur, der Umwelt und der Nachhaltigkeit. Begleitet wurde sie von den beiden dänischen Naturfotografen   Helle Olsen und Uri Golman, die im Rahmen des Bergans-CSR-Projektes   Wild gefährdete Tierarten und fragile Lebensräume dokumentieren. Veröffentlicht wurde dieser Beitrag erstmals in NORR   NORR. Die schönsten Seiten Skandinaviens.