make moments

Das rascheln der Birkenblätter erinnert mich an den Klang von Silberpapier im Wind. Schwerer Duft von Kiefernharz weht mir um die Nase und hinterlässt den Duft von Sommer.

Sommer in Småland

Vorsichtig durchdringt das Morgenlicht das fast blinde Fensterglas. Ein schmaler heller Fingerstrahl am Dielenboden verdrängt die schwarze Luft der Nacht.

Begleitet von regelmäßigen Atemzügen meines Sohnes erkenne ich schemenhaft das Heben und Senken seines Brustkorbes. Seine sanften Gesichtszüge unterstreichen die Zerbrechlichkeit des Moments und lassen mich verweilen.

Eindrücke der Liebe, die sich in mein Unterbewußtsein abspeichern und in Zukunft als Erinnerung immer wieder die Oberfläche durchbrechen werden.

Geborgenheit

Vorsichtig, um niemanden zu wecken, steige ich aus dem Bett. Einzig das Knarren der Dielen durchbricht die Stille des Morgens und erweckt das kleine Holzhäuschen zum Leben. Während ich ein paar Birkenscheite in den Ofen nachlege, um Kaffe zu kochen, durchdringt mich wieder dieser typische Geruch.

Ausgehend vom Holzfeuer des Ofens, der alten Möbel und der Generationen die hier lebten, habe ich das Gefühl als würde die kleine Hütte atmen.

Erinnerungen an meine Großmutter ziehen wie Nebelschwaden durch mein Bewußtsein und vermitteln mir ein tiefes Gefühl der Geborgenheit.

Könnte man diesen Duft synthetisieren, könnte man wahrscheinlich Kriege beenden.

Analoge Abenteuer

Nach den ersten Tagen in der kleinen Hütte sind wir endlich angekommen. Dieses kleine Schwedenhaus dient uns als Rückzugsort und ermöglicht meiner kleinen Familie durch seine einsame Lage ein einzigartiges Freiheitsgefühl. Wir besitzen nun Zeit und Raum. Faktoren, aus denen man Abenteuer schnitzt. Als würde man von einem schweißtreibenden Marathon auf Spazierengehen wechseln, löst sich unsere Alltagshektik in Luft auf.

Schon als Kind war mir dieses Tempo vertraut. Nach der Schule verbrachte ich meine Freizeit am liebsten mit Freunden an einem Bach in der Nähe meines Elternhauses. Mit unseren nackten Händen griffen wir im gurgelnden Wasser unter alte Wurzelstöcke und Steine und fingen so Forellen.

Ich kann mich noch genau daran erinnern wie aufgeregt ich war. Man wusste ja nie was man in diesen Höhlen zu greifen bekam. Der typische, leicht modrige Geruch und die Klangwelt der Auenlandschaft haben sich tief in mein Unterbewusstsein eingegraben.

Diese Qualität des Abenteuers ist in unserer hochzvivlisierten Welt, wo die Wildnis immer mehr zurückgedrängt wird, nur mehr schwer zu finden. Um so wichtiger erscheint es mir, diese analogen Erlebnisse in einer rasenden digitalen Zeit weiterzugeben.

Faktor Zeit

Im Schatten der kleinen, roten Hütte schnitze ich an einem Stück Birkenholz. Mein Messer schneidet dicke Kerben in das helle Holz. Jakob kann es nicht erwarten, bis der Fisch aus Holz fertig ist. Mit einer langen Schnur binden wir den Streifenbarsch an einen Haselnussstock und halten ihn ins Wasser.

Ähnlich der Sonne, die sich immer weiter in den Horizont gräbt, dringen diese Momente tief in meine Seele. Erlebnisse die, wie Pech und Schwefel, an uns kleben bleiben werden.

Was passiert, wenn man als Familie plötzlich genügend Zeit füreinander zur Verfügung hat? Um das herauszufinden, begab ich mich für zwei Wochen mit meiner Familie in eine einsame Hütte in Schweden.